In einer Studie an fünf Einzelfällen wird der Hypothese nachgegangen, inwieweit anhand von ‚Hörschwellen‘ eine Aussage über die Persönlichkeit gemacht werden kann. In der theoretischen Grundlegung werden Ansätze gezeigt, die diese Hypothese stützen. So wird z.B. die psychophysiologische Messung ‚Hörschwelle‘ neben einem Wahrnehmungsanteil auch von einem Entscheidungsanteil mitbestimmt.
In diesen geht die Risikobereitschaft der Person zu antworten mit ein. Daneben zeigt die ‚Hörschwelle‘ als Ergebnis einer Interaktion zwischen Person und Umwelt sowohl hinsichtlich ihrer zeitlichen, mittelfristigen Stabilität als auch ihrer langfristigen Instabilität eine große Ähnlichkeit zum dynamisch – interaktionistischen Persönlichkeitsparadigma. Diese strukturelle Ähnlichkeit ist eine wichtige Voraussetzung für die Abbildung von Eigenschaften der Persönlichkeit auf der Ebene der ‚Hörschwelle. Des Weiteren werden, da die Hypothese eine Grundlage in der Tomatistherapie ist, auch die Erkenntnisse von Tomatis dargelegt. Die methodische Durchführung zur Klärung erfolgt in drei Schritten:
1.) Die Messung der ‚Hörschwellen‘.
2.) Die Interpretation der ‚Hörschwellen‘ durch einen Tomatistherapeuten.
3.) Das Überprüfen dieser Aussagen anhand anamnestischer Daten und den Ausprägungen in zwei Persönlichkeitsfragebögen.
Das Analyseergebnis über die fünf Einzelfälle zeigt, dass die Interpretationen der ‚Hörschwellen‘ nach den Tomatiserkenntnissen und -kriterien mit einer Trefferquote von 94,6 % zutreffend und realitätsbezogen sind. Eine Augenscheinvalidierung bei drei Fällen ergibt eine Zustimmungsquote von 98,0 %. Auf der Grundlage dieser Studie kann die oben genannte Hypothese als bestätigt angesehen werden. In Konsequenz dessen wäre das subjektive Element bei der ‚Hörschwelle‘ zu erweitern.
Es geht nicht nur ein ‚kognitiver Faktor‘ und ein ‚Faktor Risikobereitschaft beim Entscheiden‘ in die ‚Hörschwelle‘ ein, sondern die gesamte Persönlichkeit mit ihrer psychosomatischen Erscheinung einschließlich ihrer emotionalen Seite. Das Ohr steht im Brennpunkt einer Strukturanalogie. Deshalb scheint der Zusammenhang zu gelten, dass der interaktive Vorgang des Hörens die Persönlichkeit beeinflusst und dieses eine messbare Resonanz in der ‚Hörschwelle‘ findet. Zum Schluss werden in einem Ausblick nächste Forschungsschritte aufgezeigt. Es sind die Tomatiskriterien und die Bedingungsgefüge der Parameter zu klären, die eine Vorhersage über die Persönlichkeit ermöglichen. Aus einem gemeinsamen ‚zufälligen‘ Befund bei den fünf Fällen der Studie wird dazu ein erster inhaltlicher Ansatz gemacht.