Anwendung der Hörtherapie
Anwendung der Hörtherapie
Anwendungsgebiete für Kinder

Basis der Hörtherapie ist eine Verbesserung der Leistungen der beiden im Innenohr vereinten Sinne, dem Hörsinn und dem Gleichgewichtssinn. Die Hörtherapie kann grundsätzlich angeraten sein bei:
I Bei Hörstörungen
- Auditiver Adaptionsfähigkeit und Schallvorverarbeitung
- Zentraler auditiver Verarbeitung und Wahrnehmung
- Gleichgewichtsregulation und Körpertonusregulation
II: Bei Symptomen und Erkrankungen wie
- Allgemeine, sprachliche, motorische oder psychische Entwicklungsverzögerungen
- Sprachliche Entwicklungsstörungen
- Entwicklungsauffälligkeiten im Zusammenhang von Frühgeburten oder nach Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen
- Lernschwierigkeiten, insbesondere Lese/Rechtschreibschwäche
- Konzentrationsstörungen
- Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit oder ohne Hyperaktivität (Zappelphilipp oder Träumer / AD(H)S)
- Emotionale Auffälligkeiten oder Störungen wie Schüchternheit, Ängstlichkeit, Phobie, Aggressivität
- Tiefgreifende Entwicklungsstörungen, frühkindlicher Autismus, atypischer Autismus
- Behinderungen, insbesondere Down-Syndrom
- Hirnschädigungen, insbesondere nach Geburtstrauma mit spastischen Lähmungen
- Verhaltensauffälligkeiten im Zusammenhang mit psychischen Traumata
Ablauf einer Hörtherapie
Im Folgenden wird beschrieben, wie eine Hörtherapie aussehen könnte:
- Vorgespräch
- Anamnese und Hörprofil
- 1. Hörabschnitt: 15 (12 oder 10) aufeinanderfolgende Tage täglich zwei Stunden Hören, dazu begleitende Gespräche und Hörprofile
- Pause von 4-8 Wochen
- 2. Hörabschnitt: 8 (10 oder 12) aufeinanderfolgende Tage täglich 2 Stunden Hören, Gespräche und Hörprofile. Je nach vorliegendem Problem und Therapiemotiv können sich weitere Hörabschnitte anschließen.
Grundlage der Therapie ist ein Erstgespräch von 1 ½ – 2 Stunden Dauer. Es wird unter anderem ein spezieller Hörtest durchgeführt, das Hörprofil. Er ermöglicht Aussagen über die Aufmerksamkeitsfähigkeit, die Sprachwahrnehmung und Körperwahrnehmung sowie über das Beziehungsverhalten.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen erfolgt die individuelle Therapieplanung und die Durchführung der Hörtherapie.
Anwendungsgebiete für Erwachsene

I: Bei Hörstörungen
- Tinnitus
- Hörsturz
- Morbus Menière
- Hyperakusis
- Misophonie
- Bestimmte Formen von Schwerhörigkeit
II: Bei psychischen und psychosomatischen Störungen
- Burnout, Midlife-Crisis
- Depressive Episoden
- Angststörungen, Phobien
- Als Ergänzung einer psychodynamischen Psychotherapie oder Psychoanalyse
- Als Selbsterfahrung
- Als “Wellness” für die Psyche: innere Neuorientierung, Auszeit, Erholung
- Schlafstörungen
- Als Vitalisierung und Verbesserung der Lebensqualität im Alter
III: Bei biologischen (somatischen, körperlichen) Störungen
- Rehabilitation nach Schlaganfall
- Multiple Sklerose
- Stimmstörungen, Dysphonie
- Chronisches Fatigue Syndrom (CFS)
- Fibromyalgie
- Rehabilitation nach Long Covid
- Funktionelle Wirbelsäulenleiden
IV: Bei Geburtsvorbereitung
Durch die Anwendung der Hörtherapie in den letzten Monaten der Schwangerschaft kann nach Erfahrungen in einem Krankenhaus in Vesoul die Geburtsdauer verkürzt werden und die nachgeburtliche Entwicklung der Kinder gefördert werden.
V: Besondere Anwendungsgebiete im pädagogischen Bereich
- Fremdsprachenintegration
- Verbesserung von Stimme und Gesang
- Verbesserung von musikalischer Kompetenz
Allein durch die Vielzahl der möglichen Indikationen wird deutlich, dass die Systemische Hörtherapie fachgerecht nur auf dem Boden einer gründlichen Weiterbildung in der Hörtherapie angewandt werden darf. Weiterhin sollte die Anwendung im Regelfall auf dem Boden der Grundberufe in Medizin, Psychologie, Ergotherapie, Logopädie, Pädagogik, Krankengymnastik, Musik, Sozialpädagogik erfolgen. Der ausgebildete Hörtherapeut*in wendet die Hörtherapie zunächst im Gebiet seines Grundberufs an, kann seine Tätigkeit unter Supervision eines erfahrenen Hörtherapeuten oder durch Weiterbildungen dann ausweiten.
